Sebastian Kreutz Sebastian Kreutz Schauspieler, Privater Schauspielunterricht Karlsruhe



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Staatstheater Karlsruhe
Sebastian Kreutz




Geschichten zum Stück

In einem anderen Stück desselben Regisseurs, in dem ich ebenfalls die Hauptrolle / André Krogler) spielte: Dass einzelne Vorstellungen in ihrer Qualität schwanken, weiss jeder - was aber, wenn fast sämtliche Kollegen während einer Vorstellung fast dopelt so laut, doppelt so schnell und fast durchgehend an der Rampe spielen? Die sowieso schon zur Opulenz neigende Inszenierung wurde an diesem Abend durch Schauspieler dominiert, deren Adern wie Klaviersaiten aus dem Hals stachen und die kaum noch wussten, warum sie was wem zu sagen haben.
Drogen? Dachte ich - NEIN - viel peinlicher! in der Pause wurde es mir gesteckt: Peymann ist drin !!!

Einer meiner Söhne wurde während der Probenzeit geboren. Auf der Probe fast direkt nach der Geburt sollte ich "Mutter-Mutter" schreiend auf die Bühne kommen. Ich tat es und statt nur der Mutter, standen plötzlich fast alle auf der Bühne. Verdattert wie ich. Sie hätten ein Kleinkind schreien gehört, meinten sie ...

.... Schroth probierte alle Drehscheibenpositionen. Alle waren genervt, fertig und wollten nach Hause. Endlich! das letzte Mal. Einmal noch nach unzähligen Versuchen. Einmal hatte es schon geklappt und nun noch einmal ... Aus dem Zuschauerraum ertönt Schroth's "Bitte!" Und nichts funktioniert. Schroth rennt erbost auf die Bühne, brüllt fast: "Was ist hier los - wir haben das 4 Stunden probiert ... WAS WAR LOS???"
Ein tiefenentspannter Bühnenmeister lächelt Schroth an. In tiefstem Badisch erklärt er: hajo - Schischtwechsel. - Schallendes Gelächter - aber erst viel später ...

... zum großen Teil verrissen, aber ich war das erste und einzige Mal bei einem italienischen Maßschneider, der nur für mich eine Hoste nähte ...


Kritiken

... Als probates Mittel des Druckausgleichs siedelte er seine Inszenierung in lichten Höhen der Stilisierung an. Daraus hätte was werden können, ereignete sich im Stück nicht Entscheidendes: der Auftritt Hamlets in Gestalt von Sebastian Kreutz, der sich durch seinen ganz speziellen Hamlet schreit und tobt und die Stilunsicherheit eines Regisseurs illustriert., der konzeptionell weit ausholt, die große Inszenierungsgeste aber nicht unterfüttern kann und in der Folge lediglich all das aneinanderreiht, was an Fluchtmechanismen vor Shakespeare-Texten derzeit so geboten wird. ...

...Sebastian Kreutz ist ein wendig-sehniger, schlanker, nölender Hamlet, der mit viel Körpereinsatz den Verrückten spielt, ein von allen und sich selbst Verlassener, der die Asche der toten Ophelia aus der Urne nimmt, in die Taschen stopft und über sich wirft.

... gibt die Inszenierung von Peter Schroth im Badischen Staatstheater in Karlsruhe immer wieder recht: Wahnsinn hat hier Methode und Konjunktur, gespielt wird er furios – von Sebastian Kreutz als Hamlet mit einer geradezu furchterregenden Perfektion, die ihn im übrigen auch für  noch größere Bühnen qualifiziert.
Sebastian Kreutz fällt in dieser Inszenierung nicht die Aufgabe zu, seinen Hamlet eine homogene, psychologische Charaktergestalt annehmen zu lassen, sondern er stellt mit atemberaubender, virtuoser Energie Deutungs-Facetten, den Text an sich zur Diskussion.

... Allenfalls Sebastian Kreutz, der die Titelrolle als ungezogenen Rotzlöffel mit pubertärem Hang zum lautstarken Selbstmitleid anlegt, lässt gelegentlich merken, dass er das Zeug zum Hamlet vielleicht hätte, wenn man, ach wenn man ihn nur ließe. Aber ihn lässt keiner. Keiner darf, wie er womöglich könnte.

... In Karlsruhe scheint jetzt endlich auch ein bisschen Moderne Einzug zu halten. Vor allem Sebastian Kreutz als Hamlet arbeitet sich die dreieinhalb Stunde ab, ist ein agiler, beweglicher, energiegeladener und ausdauernder Verrückter in Unterhose und Socken, dem fast eine gewisse Erleichterung anzusehen ist, als er endlich stirbt und der Kampf ein Ende hat.

... Hamlet ist im Gegensatz zur kalten, versteiften Männerwelt von vitaler, provozierend lebendiger Jugendlichkeit (Sebastian Kreutz) und das bisher Beste, was ich von diesem jungen Darsteller sehen konnte. Sein Hamlet ist unfähig zur Rache am ermordeten Vater - wegen seiner spontanen, ungezügelten Natur, nicht wie bei Shakespeare, durch mordscheuende Humanität.
Er sinnt nicht über Büchern, sondern zappt sich desinteressiert durch die Fernsehprogramme. "Sein oder Nicht-Sein" probiert er dreimal, dann hat er es für sich entdeckt und fesselt die Zuschauer mit der letzten, gedanklich"stimmigen" Version. Kreutz meidet dabei psychologische Entwicklungen der Figur, er zeigt Variationen einer kraftvollen, chaotischen Natur, die an den Intrigen dieser Welt zerbricht.